{"id":2775,"date":"2026-01-22T02:22:08","date_gmt":"2026-01-22T02:22:08","guid":{"rendered":"https:\/\/aktienpros.com\/?p=2775"},"modified":"2026-01-22T02:22:09","modified_gmt":"2026-01-22T02:22:09","slug":"melitta-schliesst-traditionsfabrik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktienpros.com\/?p=2775","title":{"rendered":"Melitta schlie\u00dft Traditionsfabrik\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Standort mit \u00fcber zwei Jahrhunderten Industriegeschichte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die <strong>Melitta-Gruppe<\/strong> beendet zum <strong>31. M\u00e4rz<\/strong> die Produktion in ihrer Papierfabrik im mecklenburgischen <strong>Neu Kali\u00df<\/strong>. Damit endet an diesem Standort eine Industriegeschichte, die bis ins Jahr <strong>1799<\/strong> zur\u00fcckreicht. Seit <strong>1871<\/strong> wurde dort Papier maschinell hergestellt. Trotz Kriegen, Enteignung und politischer Umbr\u00fcche blieb das Werk \u00fcber Generationen hinweg in Betrieb. Nun f\u00e4llt endg\u00fcltig der letzte Vorhang f\u00fcr eine der \u00e4ltesten Papierproduktionsst\u00e4tten Deutschlands.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mehr als 100 Besch\u00e4ftigte verlieren ihre Arbeit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Mit der Schlie\u00dfung verlieren <strong>115 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<\/strong> ihren Arbeitsplatz. Eine Insolvenz liegt nach Angaben des Unternehmens nicht vor. Die Entscheidung sei Teil einer strategischen Neuordnung, nicht Ausdruck einer wirtschaftlichen Schieflage des Gesamtkonzerns. <strong>Melitta<\/strong> wirtschaftet weiterhin profitabel und betreibt weltweit <strong>59 Standorte auf f\u00fcnf Kontinenten<\/strong>. Dennoch trifft der Schritt die Region hart, da Neu Kali\u00df stark von dem Werk gepr\u00e4gt war.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was in Neu Kali\u00df produziert wurde<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>In der betroffenen Fabrik stellte Melitta vor allem <strong>Spezialpapiere<\/strong> her. Dazu geh\u00f6rten <strong>Kaffeefilterpapiere<\/strong>, <strong>Tapetenvliese<\/strong>, <strong>Bierdeckel<\/strong>, <strong>Tassendeckchen<\/strong>, <strong>Krepppapiere<\/strong> f\u00fcr den Dentalbereich und Gro\u00dfb\u00e4ckereien sowie sogenannte <strong>Verdunsterpapiere<\/strong>. Die Produkte waren Teil globaler Lieferketten und wurden an Kunden in vielen L\u00e4ndern ausgeliefert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Melitta bleibt global stark aufgestellt<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in <strong>Minden in Nordrhein-Westfalen<\/strong>. Melitta gilt als <strong>Weltmarktf\u00fchrer f\u00fcr Kaffeefilter<\/strong>. Die Produkte sind in <strong>86 L\u00e4ndern<\/strong> erh\u00e4ltlich. Neben Kaffeefiltern umfasst das Sortiment zahlreiche Haushaltsprodukte und Konsumg\u00fcter. Die Schlie\u00dfung eines einzelnen Werks \u00e4ndert nichts an der internationalen Marktstellung des Konzerns, wirft jedoch ein Schlaglicht auf die Probleme des Industriestandorts Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kostenexplosion bei Rohstoffen belastet die Papierindustrie<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ein wesentlicher Faktor f\u00fcr die Entscheidung liegt in der Entwicklung der Rohstoffpreise. <strong>Zellstoff<\/strong> und <strong>Altpapier<\/strong> verteuerten sich seit der Corona Pandemie massiv. Nach Daten des <strong>Statistischen Bundesamts<\/strong> stieg der Preis f\u00fcr Zellstoff zwischen <strong>Januar und September 2021<\/strong> um rund <strong>45 Prozent<\/strong> gegen\u00fcber dem Vorjahr. Noch drastischer fiel der Anstieg bei Altpapier aus. Die Gro\u00dfhandelspreise lagen zeitweise <strong>222 Prozent<\/strong> \u00fcber dem Vorjahresniveau. Auch wenn sich die Preise sp\u00e4ter teilweise beruhigten, blieb das Kostenniveau dauerhaft hoch.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Energiepreise als dauerhafte Belastung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Hinzu kamen deutlich gestiegene <strong>Energiekosten<\/strong>. Die Papierherstellung z\u00e4hlt zu den energieintensivsten Industriezweigen. Strom und Gas machten zuletzt einen erheblichen Teil der Produktionskosten aus. Gerade \u00e4ltere Werke mit historischer Bausubstanz sind nur begrenzt modernisierbar. Dies verschlechterte die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Standorts Neu Kali\u00df zus\u00e4tzlich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>EU Vorgaben erh\u00f6hen den b\u00fcrokratischen Druck<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Besonders belastend wirkten sich neue europ\u00e4ische Regelwerke aus. Die sogenannte <strong>Entwaldungsverordnung EUDR<\/strong> verpflichtet Papierhersteller seit <strong>2025<\/strong> zu detaillierten Nachweisen \u00fcber die Herkunft des verwendeten Holzes. Ab <strong>Juni 2026<\/strong> gelten diese Vorgaben auch f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen. Hersteller m\u00fcssen exakte <strong>Geolokalisierungsdaten<\/strong>, Angaben zum <strong>Erntezeitpunkt<\/strong> und umfassende Lieferketteninformationen vorlegen. Der administrative Aufwand ist hoch und verursacht erhebliche Zusatzkosten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich versch\u00e4rfen weitere EU Regelungen die Situation, darunter die <strong>Lieferkettenrichtlinie CSDDD<\/strong> sowie die <strong>Verpackungsverordnung PPWR<\/strong>. In der Summe entsteht ein komplexes Regelwerk, das insbesondere traditionelle Industrieunternehmen stark belastet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nachfrager\u00fcckgang durch Digitalisierung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Parallel dazu leidet die Papierbranche unter einem strukturellen Nachfrager\u00fcckgang. Die fortschreitende <strong>Digitalisierung<\/strong> reduziert den Bedarf an klassischen Papierprodukten seit Jahren. Dieser Trend verst\u00e4rkte den wirtschaftlichen Druck zus\u00e4tzlich und lie\u00df Spielr\u00e4ume f\u00fcr Investitionen schrumpfen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kein Einzelfall in der deutschen Papierindustrie<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Schlie\u00dfung in Neu Kali\u00df ist kein isoliertes Ereignis. Bereits im <strong>Dezember<\/strong> meldete die traditionsreiche <strong>Papierfabrik Feldm\u00fchle<\/strong> aus <strong>Uetersen<\/strong>, gegr\u00fcndet <strong>1904<\/strong>, Insolvenz an. Immer mehr Standorte geraten unter Druck, da steigende Kosten, sinkende Nachfrage und regulatorische Vorgaben zusammenwirken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Symbol f\u00fcr den Standort Deutschland<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Der R\u00fcckzug von Melitta aus Neu Kali\u00df steht sinnbildlich f\u00fcr die Herausforderungen der deutschen Industrie. Selbst ein international erfolgreicher Konzern mit stabiler Ertragslage sieht sich gezwungen, traditionsreiche Standorte aufzugeben. F\u00fcr viele Beobachter ist dies ein weiteres Signal, dass hohe Energiepreise, zunehmende B\u00fcrokratie und strukturelle Marktver\u00e4nderungen den Produktionsstandort Deutschland zunehmend unattraktiv machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Standort mit \u00fcber zwei Jahrhunderten Industriegeschichte Die Melitta-Gruppe beendet zum 31. M\u00e4rz die Produktion in ihrer Papierfabrik im mecklenburgischen Neu Kali\u00df. 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